
ALT MEINUNG •Fall Amthor Gier ist geil Christian Stöcker Eine Kolumne von Christian Stöcker Philipp Amthor ist kein bedauerlicher, irregeleiteter Einzelfall, sondern das Produkt eines jahrzehntealten Systems. Aus wissenschaftlicher Perspektive ist längst klar, was sich ändern müsste. 21.06.2020, 16.02 Uhr

ALT Jedes Mal, wenn hierzulande eine Politikerin oder ein Politiker dabei erwischt wird, dass er oder sie ein bisschen arg nah an Leuten mit viel Geld und sehr spezifischen Interessen dran ist, passiert das Gleiche: Den Kritikern wird Weltfremdheit und Naivität unterstellt. Naivität ist der Lieblingsvorwurf des Zynikers. Es wird auf die "Unschuldsvermutung" gepocht (Wadephul). Es werden Gründe gesucht, warum das jetzt in diesem Fall aber doch eigentlich eine lässliche Sünde sei ("eben noch jung"). Auf gar keinen Fall wird darüber gesprochen, ob so ein Verhalten für einen gewählten Abgeordneten, der seine Macht dem Wähler verdankt, nicht einfach inakzeptabel ist. Noch ein Satz aus einer der oben zitierten norwegischen Studien: "Rationalisierungs-Narrative scheinen Korruption akzeptabler zu machen." Das Problem ist kein individuelles, sondern ein systemisches.



























