
Alltags-Blitzlichter eines baldigen Fünfzigers. Früher war alles besser – oder? Threads, Tipps, Wut. #MidlifeRealität
Wien ... und immer unterwegs
Joined January 2025
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Heute fühle ich mich offiziell richtig alt. Nachdem dieses hier abgebildete Teil seit langen Jahren im Wohnzimmer im Weg liegt, habe ich mich entschieden, es zu entsorgen. Ich möchte nicht, wozu ich heute noch eine DVD Hülle für irgendeinen Transport benötigen würde.
Just why?
Vieles ist nice, anderes cringe und der Rest einfach literally insane.
Irgendwann hat es sich eingebürgert, mitten im Satz englische Begriffe einzustreuen. Ohne Not. Ohne Kontext. Einfach so.
Ich bin wohl alt genug, dass ich das nicht als smart empfinde, sondern eher als sprachlichen Stolperstein.
Bin ich da zu streng – oder verlieren wir gerade ganz entspannt unsere eigene Ausdrucksweise?
Dear oder Dir?
Geburtstage habe ich einige erlebt. Und zuverlässig kommt irgendwann „Happy Birthday“. Englisch geht kollektiv – bis zur Namensstelle.
Dann wird es spannend: „Happy Birthday dear…“ oder doch „dir…“?
Ein Teil bleibt international, der andere wird plötzlich sehr heimisch. Sprachlich ein Hybrid, den vermutlich nur wir so hinbekommen.
Ich stehe dann daneben und frage mich, ob das noch Englisch ist – oder schon Dialekt mit Melodie.
Was singt ihr eigentlich – dear oder dir? 🎂
Größenwahn zu Ostern
Ich kenne Ostern noch mit gefärbten Eiern, kleinen Nestern und der Familie im Garten. Nach dem Frühstück wurde gesucht, gefunden, gelacht. Mehr brauchte es nicht.
Heute wirken die Hasen wie Logistikzentren. Geschenke, die locker mit Geburtstagen mithalten. Alles größer, mehr, aufwendiger.
Ich frage mich, wann aus kleinen Freuden ein Event mit Erwartungshaltung geworden ist.
War früher wirklich alles einfacher – oder nur kleiner gedacht?
Wiener Linien
Ein Freund bei den Wiener Linien erzählt: Bodycams der Security werden jetzt mit Klett befestigt.
Grund: Werden regelmäßig heruntergerissen und mitgenommen. Beweismittel weg, Westen kaputt, Mitarbeiter am Boden.
Lösung: leichter abreißbar machen.
Ich sitze in der U-Bahn und versuche, diese Logik zu verstehen. Anpassung an die Realität – oder Kapitulation vor ihr?
Wienerischer wird es heute nicht mehr. Die Situation ist eigenhändig erlebt:
In der Straßenbahn drängt sich ein älterer, etwas derangierter Herr durch die Menschenmassen Richtung Tür mit den Worten „Heast, gestatten“.
KI im Alltag: Texte, Ideen, Antworten – alles auf Knopfdruck.
Schon beeindruckend. Und ein bissl unheimlich.
Ich sitze im Kaffeehaus, trinke meinen Verlängerten und denke: Früher war ich die Lösung.
Heute bin ich vielleicht nur mehr der Prompt.
Wie bleibt man relevant, wenn die Konkurrenz keinen Schlaf braucht?
Raffiniert oder einfach?
Überall hört man davon, und meine Eltern erleben es mittlerweile selbst: Diese Welle betrügerischer Telefonanrufe. Angebliche Polizisten, dringende Geschichten, Schmuck und Bargeld sollen „zur Sicherheit“ übergeben werden.
Mir ist schon klar: Statistik arbeitet für die Täter. Irgendwer fällt immer darauf rein.
Und dann sitzt man mit bald 50 da und denkt sich: Werde ich irgendwann auch so gutgläubig? Oder so verunsichert, dass ich im falschen Moment nicht mehr klar denke?
Ist das wirklich raffiniert gemacht – oder erschreckend simpel, wenn man nur den richtigen Moment erwischt?
Zombies unterwegs?
Ich gehe gern zu Fuß durch Wien. Mit bald 50 sollen die 10.000 Schritte ja Gold wert sein.
Was diese Spaziergänge zunehmend erschwert: Mitmenschen im Autopilot. Blick ins Handy, starrer Geradeausmodus, der eigene Weg wird konsequent durchgezogen. Auch Gruppen bleiben in Formation – Ausweichen offenbar optional.
Ich bin alt, groß und schwer genug, um notfalls standhaft zu bleiben. Meine Eltern eher nicht. Die werden bei solchen Begegnungen schnell zur Randnotiz am Gehsteig.
Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass Rücksichtnahme im Straßenverkehr auf zwei Beinen plötzlich Verhandlungssache ist?
Schau links, schau rechts…
Mag am Alter liegen, aber mir fällt etwas auf: Menschen überqueren die Straße, ohne wirklich zu schauen. Manche blicken sogar bewusst in die falsche Richtung. Oft begleitet vom Handy.
Als ich den B-Führerschein gemacht habe, habe ich es gelernt. Mit dem A-Schein habe ich es verinnerlicht: aktiv schauen. Kopf drehen. Wahrnehmen. Dafür haben wir schließlich eine Wirbelsäule bekommen.
Heute scheint ein kurzer Blick aufs Display wichtiger als ein Blick auf den Verkehr.
Ist das Vertrauen in die Umwelt so groß geworden – oder einfach die Aufmerksamkeit so klein?
Diskussion ohne Lösung
Im Freundeskreis diskutiert – und wie so oft zu keiner Lösung gekommen.
Zwei Lebensläufe, finanziell fast identisch gestartet. Die eine Person spart, kauft eine Wohnung, legt für später zurück. Die andere genießt das Leben: Urlaube, Autos, schöne Dinge im Jetzt.
Am Lebensabend brauchen beide Pflege, vielleicht sogar einen Heimplatz. Der Sparer muss zuerst alles aufbrauchen, bevor der Staat hilft. Der Genießer bekommt Unterstützung praktisch sofort.
Irgendwie fühlt sich das schief an – und gleichzeitig versteht man die Logik dahinter.
Gibt es in solchen Fragen überhaupt so etwas wie „fair“ – oder nur unterschiedliche Definitionen davon?
die Rutsche legen
In meinem Alter sieht man manche Dinge etwas klarer. Weniger romantisch, dafür schneller. Man erkennt Zusammenhänge manchmal schon auf den ersten Blick.
So auch beim ORF vor seinem Gebäude. Da wird irgendetwas schnell weggeputzt, vielleicht unter den Teppich gekehrt. Sicherheitshalber stellt man noch ein Schild hin: Rutschgefahr.
Andere lesen genau das.
Ich lese – vielleicht zu viel Nachrichten konsumiert – plötzlich Putschgefahr.
So oder so: Mit meinen Gebühren zahle ich das alles mit.
Gibt mir das eigentlich Sicherheit – oder nur eine sehr gut beschilderte Unsicherheit?
Männermagnet
Wenn man als Mann um die 50 ein Hobby pflegt, das alte Gerätschaften beinhaltet, sollte man eine Sache wissen.
Mit einer alten Kamera – sagen wir einer Leica – oder einem schönen Motorrad, etwa einer alten Triumph, zieht man durchaus Blicke auf sich. Das ist prinzipiell erfreulich. Man fühlt sich kurz ein bisschen stilvoll.
Der Haken: Ins Gespräch kommt man fast ausschließlich mit Männern zwischen 70 und 80. Mit glänzenden Augen und sehr detaillierten Erinnerungen.
Nicht ganz die Zielgruppe, die man ursprünglich im Blick hatte.
Ist das der natürliche Lauf der Dinge – oder bin ich bereits offiziell im nächsten Männerclub aufgenommen worden?
Musik im Wandel der Lebensphasen
Mit leichtem Schrecken stelle ich fest, dass gleichaltrige Freunde plötzlich nebenbei Radio Wien oder Radio Niederösterreich laufen haben.
Früher waren das für uns quasi feindliche Sender. Musik für „die anderen“. Heute wippen sie entspannt im Takt und kommentieren fachkundig die Moderation.
Ich schaffe das noch nicht. Irgendetwas in mir sträubt sich weiterhin dagegen.
Und gleichzeitig frage ich mich, wann genau wir zu jener „älteren Generation“ geworden sind, die wir früher mit mildem Spott betrachtet haben.
An welchen kleinen Details im Alltag merkt ihr eigentlich, dass sich die eigene Lebensphase gerade verschoben hat? 🎶
Frühlingsbeginn
Für mich persönlich hat heute der Frühling begonnen.
Der erste Tag, an dem es wirklich angenehm war, die Terrassentür zu öffnen und frische Luft aus dem schattigen Teil des Gartens hereinzulassen. Nicht nur kurz lüften – richtig offen lassen.
Dann der nächste logische Schritt: Gartenmöbel zur Seite, Besen in die Hand, und den Außenbereich vom Laub des Herbstes und dem feinen Sand der Sahara befreien.
In dem Moment, als alles im Mistkübel verschwand, hatte ich das Gefühl, den Winter symbolisch mitzuentsorgen.
So fühlt sich frische Energie an. Ein kleiner Neustart – mitten im ganz normalen Leben.
Geht es nur mir so, oder beginnt der Frühling genau in dem Moment, in dem man selbst aktiv wird? 🌱
Für alle Fälle
In meinen bald 50 Jahren habe ich naturgemäß schon einiges an Kleidung angesammelt. Und gelegentlich kommt der Moment, an dem man den Kasten kritisch durchforstet.
Dabei zeigt sich eine erstaunlich klare Systematik. Meine Garderobe lässt sich im Grunde in drei Kategorien einteilen:
Sommer.
Winter.
Und: Für den Fall, dass ich abnehme.
Letztere Kategorie nimmt übrigens erstaunlich viel Platz ein – vermutlich aus reinem Optimismus.
Ist das noch realistische Vorsorge oder einfach textil gewordene Hoffnung?
Clash
Der 50. Geburtstag naht. In meiner Badewanne bin ich Kapitän, aber in meinem eigenen Dorf bin ich Häuptling.
Vor einiger Zeit habe ich leichtsinnig mit diesem Spiel begonnen – und seitdem lässt es mich nicht mehr los. Armeen aufstellen, Trolle losschicken, Bogenschützinnen positionieren. Strategie, Verantwortung, Weltherrschaft im Kleinformat.
Man fragt sich natürlich: Ist das nicht eigentlich ein Spiel für Kinder? Eine Phase?
Aus eigener Regentschaft kann ich berichten: Es ist erstaunlich zeitintensiv – und macht verdammt Spaß.
Vielleicht liegt genau darin der Reiz. Mitten in der Midlifecrisis kurz nicht erwachsen sein zu müssen.
Ab welchem Alter darf man eigentlich wieder guten Gewissens spielen? 🎮
Feierabend
Wenn die Arbeit erledigt ist und der Kopf langsam vom Berufs- ins Privatleben wechselt, darf es ruhig hohe Kunst sein.
Einerseits die hohe Kunst der Verifizierung diverser Trauben und Reben – also ein ordentliches Glas Wein. Man will ja schließlich wissen, womit man sich beschäftigt.
Andererseits die ebenso hohe Kunst, auch mitten in der Midlifecrisis ein kleines Kind zu bleiben. Zum Beispiel mit einer Geschichte von Donald Duck oder Phantomias.
Ein bisschen Genuss, ein bisschen Nostalgie – erstaunlich wirksame Kombination.
Was fehlt eurer Meinung nach noch zum perfekten Feierabend?







